Schlafmittel Begrüßungen:
Wie wir das Beste daraus machen


Kennen Sie die Begrüßungstiraden, die unweigerlich bei Eröffnungen, Spatenstichen und diversen Ansprachen den Zuhörern signalisieren: dieser Vortrag wird garantiert schrecklich langweilig und unterscheidet sich in keiner Weise von 100 ähnlichen, in denen sie sanft entschlummert sind?

Haben Sie so ähnliches schon gehört?
"Ich begrüße Sie herzlich, meine Damen und Herren? Ganz besonders freue ich mich, den Herrn Landeshauptmann Dip.lIng. Lemmermeier zu begrüßen, weiters die Frau Vizebürgermeister Mag Huber. Nicht zuletzt darf ich auch Herrn?? usw. usw".

Der erste Eindruck zählt:
Die erste Minute Ihres Vortrags prägt die Stimmung für den ganzen Vortrag. Fängt der Redner mit Begrüßungsorgien an, schließt das Publikum, daß der weitere Vortrag auch weiterhin konventionell und langweilig abläuft. Stellt die Rednerin jedoch gleich das aktuelle Problem an den Anfang, weckt sie die Zuhörer auf, denn dann vermittelt sie den Eindruck: die packt das Problem gleich an den Hörnern. Überlegen Sie daher genau Ihren Anfang – er ist der Schlüssel für den Erfolg der Rede.

Wenn es nur darum geht, die Zuhörer allgemein zu begrüßen, rate ich meinen Klienten und Klientinnen, ihren Vortrag nicht mit der Begrüßung anzufangen. Beginnen Sie mit einem Aufhänger oder einem aktuellen Bezug. Z.B.:
"Die heutige Titelgeschichte in der Zeitung meldet, daß zwei große Banken tausende Mitarbeiter entlassen werden. Einstmals grundsolide Firmen müssen ihre Personalpolitik überdenken. Damit unser Unternehmen ohne Personalkürzungen durch die wirtschaftliche Flaute taucht, braucht es ungewöhnliche Ideen und Maßnahmen. Darum sind wir heute zusammengekommen. Ich begrüße Sie herzlich, meine Damen und Herren!"
So klingt die Begrüßung gleich eleganter. Sie haben die Zuhörer sofort auf das Thema eingestimmt und ihnen durch den aktuellen Bezug gezeigt, daß es höchste Eisenbahn ist, aktiv in der heutigen Sitzung mitzuwirken.

Festansprachen:
Bei Festansprachen mit Honoratioren können wir oft nicht auf die Begrüßung einzelner Personen verzichten. Überlegen Sie jedoch, wen Sie unbedingt begrüßen müssen. Halten Sie die Zahl der einzeln zu Begrüßenden klein! Das freut das Publikum: und bedenken Sie auch: je weniger Gäste Sie hervorheben, desto weniger Fehler können Sie machen. Wenn Sie zehn Personen begrüßen, fühlt sich der elfte eher zurückgesetzt, als wenn Sie nur eine Person begrüßen.

Manche Rede hat den Zweck, Folgeaufträge zu sichern. Wie etwa beim Architekten, der bei der Spatenstich-Rede alle jene erwähnen muß, die bei dem Projekt mitgemacht haben und deren Wohlwollen er für das nächste Projekt braucht.

Wenn Begrüßungsorgien nötig sind:
Lassen wir uns von Kinofilmen inspirieren! In vielen Filmen beginnt der Namensteil erst nach einer spannenden kleinen Geschichte im Vorspann. Da schwebt ein Paragleiter über der felsigen Wüste und springt direkt in einen automatisch fahrenden Jaguar. Ein Hubschrauber knattert über dem Auto, Schüsse fallen, hinter dem Auto eine anonyme Verfolgerin auf einem Motorrad. So fängt der Film “Austin Powers 3” an. So machen wir es in der Rede, wenn wir vor die Begrüßung eine Geschichte stellen oder gleich mit dem Thema einsteigen.

Der Film "Austin Powers 3" oder auch "Die fabelhafte Welt der Amelie"sind gute Beispiele für unser Begrüßungsproblem. Hier schafft der Vorspann um jede Person eine Szene (Austin Powers), bzw. charakterisiert die Person, die im Film vorkommt (Amelie). Da wird der Namensvorspann zu einem Erlebnis und zum Teil des Films!

Machen Sie die Begrüßung der einzelnen Personen erlebbar, indem Sie kleine Geschichten rund um diese Person spinnen. Erzählen Sie in zwei drei Sätzen den Beitrag, den diese honorige Person geleistet hat

Einer meiner Klienten stellte die Begrüßung in die Situation hinein und zog sie noch dazu von hinten auf. Er sagte: “Mein Dank gilt zuallererst den Arbeitern, die unseren Messestand und die Beleuchtung aufgebaut haben. Gestern lag hier an dieser Stelle noch ein Kabelsalat, heute ruht das Licht perfekt auf unserem Bürgermeister. Ein herzliches Willkommen unserem Bürgermeister Dr. Schlaghammer!”

Ein anderes Beispiel, wo die Gemeinsamkeit des Teams in den Vordergrund gestellt wird: “Vergangene Woche spielte unser Fußballverein FC Münchhausen gegen Pinkafeld. Können Sie sich noch an das Spiel erinnern? Vor allem als Grunic das zweite Tor für uns geschossen hat? Kommt es nur auf den an, der das Tor schießt? Nein. Denn in einer Fußballmannschaft kommt es auf jeden an: auf Stürmer, Mittelfeldspieler und auf den Tormann. Genauso spielte auch bei unserem Projekt jeder eine wichtige Rolle. Ich begrüße heute unseren “Tormann”, Herrn Schleicher, der jeden Elfmeter unserer Konkurrenz gehalten hat. Unsere “Mittelfeldspielerin” war Frau Himmelseder, die den Überblick in den hitzigsten Situationen behalten hat. Ihre Dynamik trieb uns voran. Gleichzeitig bremste sie die Ungestümen wie mich ein und lehrte mich, genauer zu passen. Herzlichen Dank Frau Himmelseder!” usw.
In eine solche Begrüßung können Sie Zwischenfälle einflechten, die die Beteiligten im Nachhinein zum Schmunzeln bringen.

Apropos Teamgeist. Sie können schon inder Begrüßung in Ihrer Zuhörerschaft den Grundstein für Gemeinsamkeit und ein angenehmes Gesprächsklima nach dem Vortrag sorgen, wenn Sie einzelne Gruppen gegenseitig vorstellen: “Ich begrüße unsere Gäste aus Thailand. Sie bringen wunderbare Farbtupfer in unser Novemberklima. Auch unsere Neulinge, die erst zwei Wochen in der Firma sind, sitzen schon unter uns. Sie sind erkennbar an den blauen Namensetiketten. Beziehen Sie sie bitte in die Diskussion nach dem Impulsvortrag ein, frische Ideen sind willkommen!” usw. usw.

Das Fazit für Ihren nächsten Vortrag?

1. Beginnen Sie nicht mit der Begrüßung, sondern mit einem interessanten Einstieg! Die Begrüßung kommt danach.
2. Halten Sie die Zahl der Begrüßten klein!
3. Bauen Sie bei der Begrüßung persönliche Bemerkungen ein!


Vortrags-SOS® Newsletter #6, Dezember 2002
Verwendung frei unter Quellenangabe www.fleurwoess.com
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